‚Warum eigentlich nicht mal nach Georgien gehen, wenn ich
schon so nahe dran bin?‘, fragte ich mich und zog am nächsten Tag zur 3 Stunden
entfernten Grenze los. Georgien und vor allem die Stadt Batumi ist schwer zu
beschreiben. Architektur, die an kleine französische Gassen erinnert,
glitzernde Hochhausfassaden, die an Dubai erinnern, riesige grüne Parkanlagen,
die an Deutschland erinnern und Vodkaflaschen-Preise, die an Russland erinnern.
| Relikt aus der Sowjet Zeit |
Wie fremd und hilflos wir in diesem Land, dessen Sprache wir
nicht sprechen und deren Schrift wir nicht lesen können, sind, das merken wir
im Anschluss. „Ambulanz! Polis!“ rufen wir ihnen zu. Auf letzteres wollen sie
nicht eingehen, aber bieten uns freundlicherweise an, uns in ein Krankenhaus zu
bringen. Wir steigen im stärker werden Regen in einen alten, roten Van der 3
hilfsbereiten Burschen und düsen davon. Alles geht auf einmal so schnell.
Keiner fragt nach unseren Namen, keiner fragt was passiert ist und keiner
interessiert sich für das Unfallfahrzeug, das sich auf der Gegenüberliegenden
Straßenseite gerade wieder zur Weiterfahrt bereit macht. Auch ein Polizist, der
15m von Unfallgeschehen mit einem Regenschirm in der Hand am Straßenrand steht,
interessiert sich sonderlich nicht für den Vorfall und beobachtet das Geschehen
lediglich aus der Ferne mit ein wenig Desinteresse.
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| Im Krankenhaus |
Wir verstehen die Welt nicht mehr, aber wollen und müssen
den 3 Jungs vertrauen. Der Verkehr, der Regen, die schlechten
Straßenverhältnisse und die Unmöglichkeit der Kommunikation mit unseren Fahrern
machen die Situation nicht gerade angenehmer. Wir holpern in dem roten Van,
dessen Windschutzscheibe 2 riesige Risse zieren – die jedoch für den
Fahrtkomfort völlig unbedeutend sind, weil man aufgrund der beschlagenen
Scheiben sowie nichts sieht – Richtung Krankenhaus. Besser gesagt:
„Krankenhaus“. Es ist eine alte, sowjetische Kaserne, die als Krankenhaus
umfunktioniert wurde, die man jedoch genauso gut für Frankensteins
Geburtsstätte halten könnte. Ohne viel Bürokratie ohne Versicherungsnachweis
wird Theresas Knöchel eilig geröntgt. Nach einigen Minuten Warten erhalten wir
dann von der ausschließlich russischsprachigen Ärztin einen Daumen nach oben.
Was auch immer das heißen mag. Theresa fühlt sich in ihrer „Alles easy. Ich
kann immer noch alles machen“-Art bestätigt und wir verlassen das Krankenhaus
mit einer kühlenden Salbe und einigen Schmerztabletten, die uns die georgischen
Jungs in der Zwischenzeit aus einer Apotheke gekauft haben.
| Einfach nur noch heim. Aber wie, wenn man nicht mal Ortsnamen lesen kann? |
Alles, was wir jetzt noch wollen ist raus. Raus aus diesem
Land, der Hilflosigkeit, der Kommunikationslosigkeit, der Trostlosigkeit, der
Fremde. Türkei – wir kommen. Bitte empfange uns wie gewohnt mit offenen Armen.
Wir könnten eine trostspendende Schulter gerade gut brauchen.

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